Archiv für den Monat September 2011

Eis

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Ich wollte mir am Bus Terminal ein Eis kaufen. Die Tiefkühltruhe, die vor dem Laden stand war in weiser Voraussicht abgeschlossen. Leider hat die Frau hinter dem Tresen den Schlüssel auch nicht gefunden und angefangen zu suchen. Überall hinter dem Tresen, zwischen dem ganzen kleinen Kunsthandwerk, dass im Laden auslag, in ihren Taschen… dann hat der Mann von neben an gefragt: „Was suchst du denn?“ — „Der Schlüssel von Tiefkühltruhe ist weg“ — „Was, bei der Hitze, das kann doch nicht angehen!“, sagts, geht in den Laden und macht sich mit einem Messer am Schloss zu schaffen. Hat natürlich nichts geholfen:

Nach zwanzig Minuten, kurz bevor mein Bus gefahren ist, ist der Schlüssel dann doch noch aufgetaucht. Eis gegessen, mission accomplished. (Ich hab nicht gefragt, wo er war.)

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Vicuna bei Nacht

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Der obere, hellere der beiden Sterne rechts über dem Pflänzchen ist Alpha Cenrauri. („Die Pläne für den Abriss der Erde liegen seit Jahrhunderten auf Alpha Centauri zur Einsicht aus“ – „Aber wir waren noch nicht auf Alpha Centauri“ – „Das ist euer nächster Nachbar, nichtmal *** Lichtjahre entfernt. Da habt ihr es auch nicht besser verdient als abgerissen zu werden.“, sinngemäß aus Per Anhalter durch die Galaxis.) Der Stern unten drunter heißt … Beta Centauri.

Gräber

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Weil ein Kollege von meinen Eltern Bilder von Gräbern von Linksintellektuellen sammelt, war ich heute auf dem Friedhof von Santiago. Sehr, naja, nicht schön, aber gut. Die Toten werden hier in vierstöckigen Grabbauten über- und nebeneinander gelegt, in ein Fach das gerade so groß wie ein Sarg ist. Meine Mama nennt das Schließfachgrab. Hat was von Plattenbau, ist aber ziemlich ehrlich, weil mensch sieht, wie viele Tote sich über die Jahre so anhäufen. Und es ist nicht so einsam wie Gräber, die nur in einer Ebene angeordnet sind.

Das Grab von Victor Jara war leicht zu finden. Nachdem ich einmal ganz in der Nähe war und meinen Friedhofsplan aus der Tasche gekramt hab kamen schon die Arbeiter an, die nebenan einen Namen in Stein gemeißelt haben:
– Willst du zum Grab von Victor Jara? Komm mit, ich bring dich hin.

Valparaiso III

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Guten morgen… Was gibts zu sagen? Eigentlich nicht viel. Ich habe gestern insgesamt vier Stunden auf zwei Studentenplena verbracht. Das erste war sozusagen ziemlich nah an der Basis angesiedelt: Studis aus den einzelnen Fachrichtungen haben berichtet, wie die Stimmung im mittlerweile vierten Monat Streik so ist und was es für Probleme gibt (die Regierung hat Stipendien eingefroren, der Rückhalt noch ein weiteres Semester zu streiken ist groß, aber nicht unendlich). Auf dem zweiten hat der FEUV-(AStA-)Vorsitzende der Uni Valparaiso mit Fachrichtungsvertretern diskutiert, was es auf nationaler Ebene zu tun gibt. Es ging viel über Kommunikation zwischen Basis und Spitze, um die eingefrorenen Stipendien, darum was man wie dem Fernsehen sagt, damit die Bewegung nicht zerredet wird… Es gab viele gute Redner im Raum und man war sich über ganz schön viel im Klaren („Wir dürfen nicht den Fehler machen, zu glauben die in der CONFECH (Nationale Studentenvereinigung) wären alle Marionetten. Alles was dort umgesetzt wird kommt aus den Plena der einzelnen Unis. Dass die Entscheindungen so schnell und scheinbar über die Basis hinweg getroffen werden liegt daran, dass wir in den Medien aktuell und präsent bleiben müssen, damit die Regierung unsere Argumente nicht verwässern kann.“) In Sichtweite vom Unigebäude gab es vor dem Plenum eine kleine Demo, die Polizei ist mit Wasserwerfern vorgegangen. Auf dem Weg zurück ins Zentrum ist der Bus dann an der Stelle vorbei gefahren, und das Tränengas hat immernoch ordentlich in den Augen gebrannt.

Am Abend war ich dann mit Lnr auf einem Konzert. Der Mitarbeiter von einem Theater ist wohl schwer erkrankt, die Bands sind umsonst aufgetreten. Ein keiner dicker Mann im Hawaiihemd mit Halbglaze hat die Bands angekündigt und hat die Leute zum tinken und tanzen aufgefordert. Es war voll, aber es wurde nicht geschubst, die Leute haben auf 2 und 4 mitgeklatscht, die Bands waren verdammt gut und mein deutscher Stock im Arsch hat sich nach zwei Piscola zum Glück in Wohlgefallen aufgelöst.

Grüße,
Wsj

Valparaiso II

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Wow. Valpo geht auf keine Kuhhaut, die ganze Stadt ist angemalt! Nein, ich lade jetzt nicht alle meine Fotos hoch (nur ein paar). Aber wenn sich jemand da draußen für Street Art interessiert und in Süd(west)amerika unterwegs ist, sollte diesejenige Person sich auf jeden Fall Valparaiso angucken. Es lohnt sich. Mensch läuft den ganzen Tag durch kleine Gassen, irgendwelche engen Treppen rauf und runter, kommt um irgendeine Ecke und alles ist bunt. Es ist die totale Reizüberflutung. Aus Fenstern schallt Rockmusik, auf mit Edding gemalten, kopierten oder kunstvoll gedruckten Plakaten wird für Konzerte, Parties, die Abschaffung des Kapitalismus, freie Bildung und Theaterstücke geworben (gestern Schattentheater Woyzeck, morgen Benefizkonzert für Lzr). Dazu immer wieder eine atemberaubende Aussicht über die Bucht und eine schicke Einsicht in kleine verschachtelte Gärten.

Die Studenten sind auch hier sehr gut organisiert. Am Eingang der Uni hängt ein großes Plakat, das über die geplanten aktivitäten der nächsten Tage berichtet (morgen 11.00 Von Tür zu Tür Informationsrunde – 12:00 Vortrag und Diskussion über Walter Benjamins 8. These (?) – 15.00 Plenum – 19.00 Von Tür zu Tür Informationsrunde), ein Student siztzt hinter einem Empfangstisch und beantwortet Fragen, in der Mensa gibt es Essen (Kartoffelbrei mit einer Fischboulette, vegetarisches und kalorienreiches Essen heute nicht im Angebot).

"Wichtig ist was wir aus dem machen das die aus uns machen. Für eine öffentliche und kostenlose Bildung. Organisiere dich."

Viele Grüße nach Hause,
Wsj

Valparaiso I

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Was Street Art angeht könnte Valparaiso Berlin in den Schatten stellen. Was mir besonders gefällt: Die Street Art hier ist politisch (auf Spanisch ist es Poesie, auf Deutsch leider nur meine Übersetzung):

Schwerer als die Handlungen der Wenigen, die Profit daraus schlagen, dass sie das Leben elend machen, wiegt die Passivität derjenigen, die dieses Leben lebend leiden. Es ist nicht so, dass die Welt ’nuneinmal so ist‘, sondern, dass sie sich nuneinmal in diesem Zustand befindet. Tun wir uns zusammen um sie zu verändern

Bilder von der Stadt, Spuren der Studentenproteste etc. folgen, wenn ich mehr gesehen habe. Valparaiso hat’s mir auf Anhieb angetan.